Sonntag, 20. September 2026

Frank Breidenbruch & A.R. Penck – eine außergewöhnliche Begegnung in Carrara



Als der deutsche Bildhauer Frank Breidenbruch 1988 nach Carrara ging, begann eine außergewöhnliche Geschichte. Breidenbruch hatte zuvor eine mehrjährige Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer absolviert und beherrschte die traditionelle handwerkliche Bearbeitung von Stein. In Carrara, dem Zentrum des berühmten weißen Marmors, arbeitete er im traditionsreichen Studio Nicoli.

Dort begegnete er einem Mann, der sich für die Arbeit mit Stein interessierte und sich der Bildhauerei näherte. Breidenbruch zeigte ihm, wie man den Marmor klassisch von Hand bearbeitet und bildhauerisch formt. Nach Breidenbruchs späterer eigener Erinnerung arbeitete er etwa zwei Wochen mit ihm und brachte ihm Grundlagen der manuellen Steinbearbeitung bei.

Das Bemerkenswerte daran: Breidenbruch wusste zunächst nicht, wen er da vor sich hatte.

Erst später erfuhr er, dass der Mann A.R. Penck war – ein bereits international bekannter deutscher Künstler, dessen unverwechselbare Bildsprache aus Figuren, Zeichen und archaisch wirkenden Symbolen zu seinem Markenzeichen geworden war.

Aus dieser eher zufälligen Begegnung entwickelte sich eine intensive künstlerische Verbindung. Breidenbruch berichtete später von einer Zusammenarbeit, die sich über rund elf Jahre erstreckte. Gleichzeitig entwickelte sich auch das Verhältnis der beiden Künstler weiter: Breidenbruch wurde später Meisterschüler Pencks.

Gerade diese Konstellation macht ihre Geschichte so interessant. Zu Beginn war es der handwerklich ausgebildete junge Bildhauer Breidenbruch, der Penck den praktischen Umgang mit Stein vermittelte. Später begegneten sich beide auf künstlerischer Ebene und entwickelten gemeinsame Arbeiten. In Carrara entstanden Skulpturen, Reliefs, Steinzeichnungen und weitere gemeinsame Werke. Zu den dokumentierten Arbeiten gehören unter anderem „Centro Spirituale“, „Crosta Relief“, „Inizio“, „Gravitazion“ und verschiedene Arbeiten mit unmittelbarem Bezug zu Carrara.

Die Zusammenarbeit verband damit zwei sehr unterschiedliche Erfahrungen: auf der einen Seite Breidenbruchs handwerkliche Kenntnis des Materials und der traditionellen Steinbearbeitung, auf der anderen Seite Pencks unverwechselbare künstlerische Zeichen- und Formensprache.

Das kleine Polaroid, das Frank Breidenbruch auf dem Foto in der Hand hält, bekommt vor diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung, da es tatsächlich aus jener gemeinsamen Zeit stammt und A.R. Penck bei der Arbeit in Carrara zeigt, ist es nicht einfach nur eine private Fotografie. Es ist ein persönliches Zeitdokument einer ungewöhnlichen Künstlerbegegnung – aus einer Zeit, in der aus dem gemeinsamen Arbeiten am Stein eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit entstand.

Frank Breidenbruch & A.R. Penck – Carrara 1988: Eine zufällige Begegnung am Stein, aus der elf Jahre gemeinsamer künstlerischer Arbeit hervorgingen.


Frank Breidenbruch & A.R. Penck – eine außergewöhnliche Begegnung in Carrara

Als der deutsche Bildhauer Frank Breidenbruch 1988 nach Carrara ging, begann eine außergewöhnliche Geschichte. Breidenbruch hatte zuvor ei...