Frank Breidenbruch
Von Wuppertal nach Carrara – und immer wieder zurück
Wer durch Wuppertal geht, kann Frank Breidenbruch begegnen, ohne ihm persönlich gegenüberzustehen.
Denn der 1963 in Wuppertal geborene Bildhauer und Künstler hat an verschiedenen Stellen der Stadt seine Spuren hinterlassen.
In Stein. In Bronze. In Brunnen. In monumentalen Skulpturen.
Und vor allem in einer künstlerischen Geschichte, die Wuppertal mit Carrara, Indien und schließlich auch mit A. R. Penck verbindet.
Die Geschichte beginnt in Wuppertal
Von 1982 bis 1985 absolvierte Frank Breidenbruch seine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer. Anschließend arbeitete er zunächst in seiner Heimatstadt.
Bereits in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre folgten Einzel- und Gruppenausstellungen im Bergischen Land.
1988 wurde eine seiner Skulpturen in Wuppertal aufgestellt.
Doch im selben Jahr sollte sich sein künstlerischer Weg entscheidend verändern:
Breidenbruch ging nach Carrara.
In die italienische Stadt des Marmors.
Dort begegnete er A. R. Penck.
Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine über Jahre andauernde künstlerische Zusammenarbeit. Breidenbruch wurde Meisterschüler Pencks und arbeitete mit ihm an Skulpturen, Steinzeichen, Malerei und Grafik.
Und schließlich führte diese Verbindung wieder zurück nach Wuppertal.
Die Himmlischen Stürze – Breidenbruch und Penck in Wuppertal
Eines der bedeutendsten sichtbaren Zeugnisse dieser Zusammenarbeit steht bis heute am Johannisberg:
„Die Himmlischen Stürze“
Die monumentale Skulpturengruppe von Frank Breidenbruch und A. R. Penck wurde 1996 in Wuppertal aufgestellt.
Geschaffen aus weißem Marmor, erreicht die Arbeit Dimensionen von rund 7,8 × 4 × 8 Metern.
Heute gehört sie zu den markanten Kunstwerken im öffentlichen Raum Wuppertals.
Nachdem die Skulpturengruppe 2005 bei einem Unfall schwer beschädigt worden war, wurde sie neu errichtet.
Eine Arbeit verschwand nicht einfach.
Sie kam zurück.
Vielleicht ist auch das typisch für Breidenbruch.
Grenzen überschreiten.
Veränderung zulassen.
Zerstörung erleben.
Und etwas neu entstehen lassen.
Steinringbrunnen für Wuppertal
1993 gewann Breidenbruch die Ausschreibung des Nordstädter Bürgervereins Barmen für eine Brunnenskulptur.
1994 folgte die Realisierung des Steinringbrunnens für die Stadt Wuppertal.
Damit wurde seine Kunst zu einem unmittelbaren Bestandteil des öffentlichen Raumes seiner Heimatstadt.
„Lucky“ im Nordpark
1999 entstand eine weitere Arbeit in Wuppertal:
Die Brunnenanlage „Lucky“ wurde im Nordpark in Barmen errichtet.
Wieder treffen Kunst, Stein, Wasser und öffentlicher Raum aufeinander.
Kunst für den Wupperverband
2002 gewann Breidenbruch einen weiteren Wettbewerb für eine Brunnenanlage des Wupperverbandes.
Die Anlage wurde 2003 installiert.
Auch hier zeigt sich, wie stark seine Arbeit über Jahrzehnte mit Wuppertal verbunden blieb – obwohl sein künstlerischer Lebensweg ihn längst weit über Deutschland hinausgeführt hatte.
Helene Stöcker – Erinnerung in Bronze
2011 begann Frank Breidenbruch gemeinsam mit der bedeutenden Wuppertaler Bildhauerin Ulle Hees die Arbeit an einem Denkmal für die Frauenrechtlerin, Publizistin und Pazifistin Helene Stöcker.
Ulle Hees konnte das Modell noch selbst entwickeln, starb jedoch 2012.
Frank Breidenbruch vollendete das gemeinsame Werk.
2014 wurde das Helene-Stöcker-Denkmal vor der Bergischen Volkshochschule in Wuppertal aufgestellt.
So erinnert das Denkmal heute nicht nur an Helene Stöcker.
Es trägt gleichzeitig die Geschichte zweier Wuppertaler Künstler weiter.
Kunst für Wuppertal – und für Menschen
Breidenbruchs Verbindung zu seiner Heimatstadt zeigt sich aber nicht nur in monumentalen Skulpturen.
2011 beteiligte er sich am Skulpturenprojekt auf der Hardt.
2012 gestaltete er gemeinsam mit dem Wuppertaler Künstler Oliver Sachse 100 individuelle Porzellanteller für die Aktion „Über den Tellerrand hinaus“.
Die Arbeiten wurden in der Galerie ART IM TAL angeboten, ein Teil der Erlöse ging an die Wuppertaler Tafel.
2015 führte ihn das europäische Kunst- und Reiseprojekt UTOPIA – 3000 km Europa im Zug erneut nach Wuppertal. Arbeiten des Projekts wurden unter anderem in der Denk- und Schokoladenfabrik sowie im U-Club präsentiert.
Und selbst das Von der Heydt-Museum gehört zur Geschichte:
Eine von Breidenbruch geschaffene Bronzeskulptur befindet sich laut seiner Biografie im Besitz des Museums.
Frank Breidenbruch – ein Wuppertaler Künstler?
Ja.
Aber diese Bezeichnung allein wäre wahrscheinlich zu klein.
Sein Weg führte von Wuppertal nach Carrara, nach Indien, Sri Lanka, Mexiko, Japan, China und an viele weitere Orte.
Er arbeitete mit A. R. Penck.
Er studierte an der Kunstakademie in Carrara.
Er arbeitete mit Marmor, Bronze, Malerei, Film, Performance und Installation.
Und trotzdem führt ein Weg immer wieder zurück nach Wuppertal.
Vielleicht ist genau das der spannende Widerspruch dieses Künstlers:
Frank Breidenbruch ist ein Grenzgänger.
Zwischen Wuppertal und der Welt.
Zwischen Stein und Mensch.
Zwischen Monument und Augenblick.
Zwischen Licht und Schatten.
Und wer heute durch Wuppertal geht, kann einige dieser Geschichten noch immer entdecken.
Frank Breidenbruch – Grenzgänger zwischen Licht und Schatten.
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