Foto : Andreas Stock
Wer Frank Breidenbruch nur mit seiner Zeit in Carrara und seiner Zusammenarbeit mit A.R. Penck verbindet, übersieht einen wichtigen Punkt: Der 1963 in Wuppertal geborene Künstler ist auch heute noch präsent – in seiner Heimatstadt ebenso wie auf dem internationalen Kunstmarkt.
Ein besonders schönes Beispiel dafür ist der „(M)eine Stunde für Wuppertal“-Preis.
Die Skulptur für diesen jährlich vergebenen Ehrenamtspreis wurde von Frank Breidenbruch geschaffen und von Monika von Blomberg gestiftet.
Breidenbruchs Motiv ist ebenso einfach wie stark: Zwei Menschen sitzen gemeinsam in einem Boot auf der Wupper. Einer sucht Hilfe und hält sich fest, während der andere seine Arme helfend ausbreitet.
Das Boot wird damit zum Sinnbild für das Zusammenleben in Wuppertal: Wir sitzen gemeinsam in einem Boot – und manchmal ist der eine auf die Hilfe des anderen angewiesen.
Jedes Jahr wird ein Bronzeabguss der Breidenbruch-Skulptur von einer unabhängigen Jury an Menschen und Initiativen vergeben, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich für Wuppertal engagieren.
2026 ging der Ehrenamtspreis an die Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen der Wuppertaler Tafel.
Damit ist ein Werk Frank Breidenbruchs bis heute unmittelbar mit dem gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt verbunden.
Gleichzeitig wächst die Aufmerksamkeit auf dem Kunstmarkt
Auch auf dem Kunstmarkt ist der Name Frank Breidenbruch weiterhin präsent – insbesondere durch die in den frühen 1990er-Jahren entstandenen Gemeinschaftsarbeiten mit A.R. Penck.
Ein Blick in die aktuelle Artnet-Datenbank zeigt allein für 2026 mehrere Auktionen:
26. März 2026:
A.R. Penck / Frank Breidenbruch – Ohne Titel
12. Mai 2026:
A.R. Penck / Frank Breidenbruch – Inizio 1994
9. Juni 2026:
A.R. Penck / Frank Breidenbruch – Untitled, 1992
9. Juni 2026:
A.R. Penck / Frank Breidenbruch – Large and small table, 1992
11. Juli 2026:
A.R. Penck, Helge Leiberg und Frank Breidenbruch – Member, 1993
Artnet führt inzwischen 34 Auktionsergebnisse unter Frank Breidenbruch. Darunter befinden sich Gemälde, Skulpturen sowie Druckgrafiken und Editionen.
Auch konkrete Zuschläge lassen sich finden: Eine gemeinsam von A.R. Penck und Frank Breidenbruch geschaffene, beidseitig signierte Mischtechnik auf Holz aus dem Umfeld der Incontro-Serie wurde beispielsweise am 9. Juni 2026 bei Wettmann versteigert. Bei einem Startpreis von 2.000 Euro wurde ein Preis von 2.680 Euro inklusive Aufgeldausgewiesen.
Noch bemerkenswerter ist der Blick auf die längerfristige Marktentwicklung: MutualArt nennt für Arbeiten Breidenbruchs bisher realisierte Auktionspreise von bis zu 41.046 US-Dollar für Skulpturen und 38.187 US-Dollar für Gemälde. Als dort verzeichneten Auktionsrekord nennt die Plattform die Skulptur Stargarder 18 (Figuren und Zeichen), die 2024 bei Sotheby's Paris versteigert wurde.
Von Wuppertal nach Carrara – und bis heute zurück nach Wuppertal
Genau darin liegt vielleicht das Spannende an Frank Breidenbruchs Geschichte.
Ein junger Steinmetz und Bildhauer verlässt Wuppertal, geht 1988 nach Carrara, trifft dort A.R. Penck und beginnt eine außergewöhnliche künstlerische Zusammenarbeit.
Mehr als drei Jahrzehnte später werden diese Arbeiten weiterhin international gehandelt.
Und gleichzeitig fährt – zumindest symbolisch – Breidenbruchs kleines Boot noch immer über die Wupper.
Jahr für Jahr wird seine Skulptur Menschen überreicht, die anderen Menschen helfen.
Internationaler Kunstmarkt auf der einen Seite, Wuppertaler Ehrenamt auf der anderen – und dazwischen Frank Breidenbruch.
Vielleicht beschreibt genau das seinen Weg besser als jede klassische Künstlerbiografie.
Die Informationen zum Preis stammen direkt von (M)eine Stunde für Wuppertal und der Berichterstattung zur Preisvergabe 2026. (meinestunde.org) Die aktuellen Auktionen sind bei Artnet dokumentiert; zusätzlich bestätigt MutualArt die deutlich höheren historischen Spitzenpreise. (artnet.de)
Aktuelle Artnet-Ergebnisse Frank Breidenbruch
(M)eine Stunde für Wuppertal – Preisverleihung
Frank Breidenbruch ist einer jener Wuppertaler Künstler, deren Arbeiten vielen Menschen begegnet sind, ohne dass sie unbedingt wissen, wer dahintersteht.
Geboren wurde Breidenbruch am 31. Dezember 1963 in Wuppertal. Von 1982 bis 1985 absolvierte er eine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer und arbeitete anschließend in seiner Heimatstadt. Bereits in den 1980er-Jahren stellte er im Bergischen Land aus. (Frank Breidenbruch)
Doch für seine weitere künstlerische Entwicklung wurde ein anderer Ort entscheidend:
Carrara.
Von Wuppertal in die Welt des Marmors
1988 zog Breidenbruch nach Carrara – in jene italienische Stadt, deren Marmor seit Jahrhunderten Bildhauer aus aller Welt anzieht.
Dort begegnete er A. R. Penck.
Aus dieser Begegnung entwickelte sich keine kurze Episode, sondern eine mehrjährige intensive künstlerische Zusammenarbeit. Breidenbruch arbeitete mit Penck an Skulpturen, Steinzeichen, Malerei und Grafik und wurde dessen Meisterschüler. Parallel studierte er von 1989 bis 1994 an der Accademia di Belle Arti in Carrara. (Frank Breidenbruch)
Gerade diese Verbindung ist für die Einordnung Breidenbruchs wichtig: Die Sparkasse Wuppertal dokumentiert ausdrücklich eine ganze Reihe gemeinsamer Arbeiten von Penck und Breidenbruch. (Kunstportal)
Die „Himmlischen Stürzer“ – Penck und Breidenbruch in Wuppertal
Das wohl monumentalste Zeugnis dieser Zusammenarbeit befindet sich in Wuppertal.
Die „Himmlischen Stürzer“ entstanden zwischen 1990 und 1996. Das fünfteilige Ensemble aus weißem Marmor misst ungefähr 7,8 × 4 × 8 Meter und steht am Johannisberg in Elberfeld. (Skulpturen NRW)
Es ist ein Werk, bei dem die künstlerischen Welten von Penck und Breidenbruch unmittelbar zusammentreffen: Zeichen, archaische Formen, Körperlichkeit und die monumentale Präsenz des Marmors.
Damit steht in Wuppertal nicht einfach eine Arbeit „in der Nähe von Penck“, sondern eine dokumentierte Gemeinschaftsarbeit von A. R. Penck und Frank Breidenbruch. (Kunstportal)
Breidenbruchs Spuren in Wuppertal
Die „Himmlischen Stürzer“ sind jedoch nur ein Teil seiner Präsenz in der Stadt.
1994 entstand der Steinringbrunnen in Wuppertal-Barmen. 1999 folgte die Brunnenanlage „Lucky“ im Nordpark. Nach einem gewonnenen Wettbewerb für den Wupperverband wurde 2003 eine weitere Brunnenanlage realisiert – das „Wasserportal“. (Frank Breidenbruch)
Eine besondere Geschichte besitzt außerdem das Helene-Stöcker-Denkmal.
Die Wuppertaler Bildhauerin Ulle Hees hatte das Denkmal gemeinsam mit Breidenbruch entwickelt. Nach ihrem Tod 2012 vollendete Breidenbruch das begonnene Werk. 2014 wurde es vor der Volkshochschule Wuppertal aufgestellt. Damit erinnert die Stele nicht nur an die Frauenrechtlerin Helene Stöcker, sondern zugleich an Ulle Hees. (Frank Breidenbruch)
Mehr als ein Bildhauer
Wer Breidenbruch nur als Steinbildhauer betrachtet, greift allerdings zu kurz.
Sein Werk umfasst Bildhauerei, Malerei, Zeichnung, Installation, Performance und interdisziplinäre Projekte. Reisen und Arbeitsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Indien, Sri Lanka, Mexiko, Japan und China. Seit 2002 arbeitete er dauerhaft auch in einer eigenen Atelier-Werkstatt in Carrara. (Frank Breidenbruch)
Inhaltlich beschäftigt ihn immer wieder der Mensch: seine Grenzen, seine Existenz und die Frage danach, was sich jenseits des unmittelbar Sichtbaren befindet. Genau diese Auseinandersetzung beschreibt auch die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Höfel in ihrem Text über Breidenbruch. (Frank Breidenbruch)
Frank Breidenbruch – ein Wuppertaler Grenzgänger
Vielleicht lässt sich Breidenbruch deshalb am besten als Grenzgänger verstehen.
Zwischen Wuppertal und Carrara.
Zwischen Stein und Malerei.
Zwischen Körper und Zeichen.
Zwischen Monument und vergänglichem Augenblick.
Und zwischen einer eigenen künstlerischen Sprache und der außergewöhnlichen Zusammenarbeit mit einem der bedeutenden deutschen Künstler der Nachkriegszeit, A. R. Penck.
Wer heute durch Wuppertal geht, kann Breidenbruchs Kunst deshalb nicht nur in einer Galerie entdecken.
Sie steht mitten in der Stadt.
Und vielleicht ist genau das das Interessante an Frank Breidenbruch:
Man muss seine Kunst nicht suchen – in Wuppertal ist man ihr möglicherweise längst begegnet.
Offizielle Website von Frank Breidenbruch